Ein Segler nimmt an einem Rennen auf einem Foiling-Dingi teil und demonstriert die Leistung von Pro-Set-Epoxidharz in einer dynamischen Meeresumgebung.

Das östliche Mittelmeer übernimmt die Führung, da klarere Charterregeln den Superyachtverkehr verändern – aber wie lange noch?

Teilnehmer des Panels beim Balearic Superyacht Forum 2025

Das östliche Mittelmeer übernimmt still und leise die Führung im regionalen Superyacht-Sektor. Griechenland und die Türkei haben erkannt, dass der Schlüssel zur Wettbewerbsfähigkeit nicht in der Küstenlinie oder im Klima, sondern in klaren regulatorischen Vorgaben liegt. Griechenland hat im letzten Jahrzehnt die Charterlizenzierung vereinfacht, die Verwaltung gestrafft und die Konzessionszeiten für Marinas verlängert. Auch die Türkei hat Maßnahmen zur Regulierung und Lizenzierung von Yachtcharter und Marina-Betrieben ergriffen – während im westlichen Mittelmeerraum weiterhin über Richtlinien und deren Auslegung debattiert wird.

Laut einer Studie eines Think-Tanks zum Thema Yachtbetrieb während des Balearic Superyacht Forum 2025 findet eine allmähliche Verlagerung des Yachtverkehrs statt. Entscheidend sind nicht mehr Ästhetik oder Infrastruktur, sondern die einfache und sichere Betriebsweise. Die Regulierung selbst bestimmt mittlerweile, wo Flotten stationiert werden und wohin Investitionen fließen.

Wenn nicht ins Mittelmeer, zieht es Superyachten zunehmend in ferne Länder. Französisch-Polynesien begrüßt mittlerweile jährlich über 200 Gastyachten, während Thailand und Australien weiterhin ein stetiges Wachstum im Chartergeschäft verzeichnen. Diese Destinationen bieten transparentere Steuerregeln, einfachere Lizenzierungsverfahren und digital abgewickelte Einreiseprozeduren – und geben Betreibern damit die Planbarkeit, die ihnen in Europa oft fehlt.

Branchenführer warnten daher, dass Europas wichtigste maritime Wirtschaft ohne koordinierte Reformen ihre Position zu verlieren droht. Die Botschaft war unmissverständlich: Struktur, Klarheit und Einheit müssen den derzeitigen Flickenteppich an Gesetzen ersetzen.

Zu den besprochenen Maßnahmen gehörten:

  • Gründung eines Mittelmeer-Superyacht-Verbandes zur Interessenvertretung auf EU-Ebene
  • Aufbau eines zentralen Wissensportals für Mehrwertsteuer-, Charter- und Zollberatung
  • Einführung eines „Charterpasses“ zur Vereinfachung des grenzüberschreitenden Zugangs, und
  • Entwicklung gemeinsamer Schulungs- und Sensibilisierungsprogramme für Regulierungsbehörden und Branchenexperten.

Wie ein Teilnehmer anmerkte: „Hier geht es nicht um Deregulierung, sondern um Einheitlichkeit.“ Ohne einen gemeinsamen Rahmen riskiert Europa die Fragmentierung einer Branche, die die Existenzgrundlage Tausender Küstenbewohner sichert.

Auf einem Markt, der eigentlich einheitlich sein sollte, existieren laut Frédéric Dormeuil (SOS Yachting) über 700 verschiedene Mehrwertsteuerstrukturen. Einige überschneiden sich, andere widersprechen sich. Die Folge sind Unsicherheit und ein schwindendes Vertrauen. Dem Thinktank wurde berichtet, dass Eigner außerhalb der EU Spanien und Italien oft meiden, während Betreiber ihre Flotten in Länder mit klarerer Regelungslage verlagern.

Wirtschaftlich gesehen steht viel auf dem Spiel. Allein in Italien trägt der Wassersportsektor rund 27 Milliarden Euro zur Wirtschaft bei und sichert über 100,000 Arbeitsplätze. Doch wie Patricia Bullock (Network Marine Consultants) feststellt, betrachten viele politische Entscheidungsträger den Yachtsport immer noch als Luxus und nicht als Wirtschaftszweig.

Die Fragmentierung ist tiefgreifend. Jedes Segment – ​​Werften, Makler, Agenten – ist zwar vertreten, aber kaum koordiniert. Theo Hooning (SYBAss) argumentiert, dass der Sektor ohne einen mediterranen Verband, der in Brüssel mit Nachdruck auftreten kann, politisch schwach bleibt.

Es zeichnen sich Fortschritte ab. Alex Chumillas, Co-Präsident des Think Tanks für Superyachten und Geschäftsluftfahrt, leitet eine Initiative zur Schaffung eines permanenten Interessenvertretungsmechanismus, der beide Branchen gegenüber europäischen Institutionen vertritt. Ziel ist es, sicherzustellen, dass Entscheidungen über Charterzugang, Besteuerung und Umweltauflagen unter Einbeziehung der Branche und nicht aus politischen Erwägungen getroffen werden.

Wenn das Mittelmeer seinen globalen Vorbildstatus behalten will, muss es zwei Dinge tun: seine Regeln vereinfachen und seinen Wert kommunizieren. Yachting ist nicht bloß Luxus; es ist eine Quelle für Beschäftigung, Ausbildung und Innovation an Europas Küsten. Ohne einheitliches Vorgehen und gemeinsame Interessenvertretung könnte die langjährige Vormachtstellung der Region weiter schwinden.

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